Geschichte
Vom Flugplatz zu den Fliegern in der Turnhalle
Als 1909 in Adlershof / Johannisthal der Motorflug begann, gab es zwar schon den Turnplatz in der Hasenheide und Turnen war bereits olympische Disziplin, aber dass knapp 100 Jahre später die Menschen in Adlershofer Sporthallen ohne Motorenkraft durch die Luft wirbeln glaubte damals wohl noch keiner.
Der Flugplatz Johannisthal, obwohl der größere Teil des Geländes auf Adlershofer Gebiet lag, wurde damals so genannt, weil die Bahnfahrt von Berlin zur damaligen Landgemeinde Johannisthal billiger war als bis zum nächsten Bahnhof Adlershof. Nun entwickelte sich aus dem Waldstück vor dem südöstlichen Stadtrand Berlins eine international beachtete und beobachtete Stätte des Ringens um luftfahrttechnischen Fortschritt. Im ersten Weltkrieg beherrschten die Flugzeugfabriken und das Militär das Feld. 1919 begann von diesem Flugplatz aus der Linienflug-Passagierverkehr in Deutschland. Erste Routen gab es zwischen Berlin-Johannisthal / Adlershof und Weimar, München, Hamburg, Warnemünde u.a. Sport-, Schul- und Verkehrsflugzeuge wurden hier in den 20er Jahren hergestellt. Anfang der 30er Jahre warf der nahende Zweite Weltkrieg seine Schatten voraus. 1932 / 1933 siedelten sich hier neue Firmen an, welche im Auftrag des Reichsluftfahrtministeriums Kampfflugzeuge bauten.
Dafür baute man auch neue Flugzeughallen in Adlershof. So entstand von 1938 bis 1940 aus rotem Backstein die jetzige AdW - Halle als Flugzeughalle. Der Flugplatz war bis zum Ende des Krieges wieder Militärflughafen. Am 23. April 1945 erreichte die sowjetische Armee aus Köpenick kommend Adlershof und eroberte den Flugplatz. Bis zum Anfang der 50er Jahre nutzten die Russen die heutige AdW-Halle noch als Flugzeughalle. Zu DDR-Zeiten gehörte das Haus dann zur Akademie der Wissenschaften und ein Teil wurde zur Sporthalle umgebaut und seit dem als solche genutzt. Turnen, Basketball und Tennis sind schon seit über 30 Jahren dort beheimatet. Auch Sprossenwände und "Kinostuehle" sind ebenso alt.
Die zweite Sporthalle, die unser Verein in Adlershof nutzt, ist die SFG-Sporthalle. Auch der Standort dieser Halle gehörte früher zum Flugplatzgelände. Zu DDR-Zeiten befand sich dann dort das Wachregiment. Eigens für die Ausbildung und das Training dieser Soldaten und Offiziere wurde die Sport- und Schwimmhalle erbaut. Das Trainingszentrum Turnen durfte schon damals diese Halle mitnutzen, um auserwählte Vorschulkinder und Schulanfänger auf den Leistungssport und die Sportschule vorzubereiten. Mit der Wende 1989/90 wurde das Wachregiment aufgelöst und das Sportzentrum für Freizeit und Gesundheit am 1. 9. 1990 durch Bezirksstadtrat Stahr der Öffentlichkeit übergeben. Seit dem nutzt der PSV Olympia einen Teil dieser Halle als Trainingsstätte und trägt hier auch häufig seine Vereinsmeisterschaften und die Klein-Olympia-Wettkämpfe aus.
In beiden Hallen geht es weiterhin ums Fliegen - das Fliegen der Menschen ohne Motorantrieb. Die jungen Sportler möchten die Erdanziehungskraft ebenso überwinden wie damals die Flugzeuge. Sie trainieren, um auch fliegen zu können - über den Boden, auf dem schmalen Schwebebalken oder um die Holme. Wie die früheren Eroberer der Lüfte über Johannisthal und Adlershof brauchen auch die Turnerinnen und Turner von heute viel Zeit sich zu entwickeln, müssen Abstürze hinnehmen, wieder aufstehen und immer wieder nach oben streben. Und dann kommt der Tag, da werden sie es wie die Flieger von einst schaffen.
Und vielleicht gibt es dann mal wieder eine Flugwoche oder einen Flugtag in Adlershof zu dem die heutigen Adlershofer in die Turnhalle strömen, um die waghalsigen Höhenflüge der Sportler - den Fliegern von heute - zu bewundern
|